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MultiBit Wallet wiederherstellen: Schritt für Schritt
Kurzfassung
Bei MultiBit hängt die Wiederherstellung von der Version und den erhaltenen Backups ab. Sichern Sie zuerst den vollständigen Datenordner, bevor Sie Reparaturen oder eine Neuinstallation versuchen.
- Classic nutzt .wallet-Dateien und .key-Exporte, keine Wiederherstellungsphrase. Verschlüsselte Kopien benötigen ihr Passwort. Ein .key-Backup kann eine fehlende Hauptdatei ersetzen, enthält aber möglicherweise keine später erstellten Schlüssel.
- HD verwendet mbhd.wallet.aes und Wiederherstellungswörter. Für die Wörter benötigt Electrum die BIP-39-Option, Legacy-Adressen und den Kontopfad m/0'; frühe Versionen können zusätzliche Kompatibilitätsprüfungen erfordern.
- Bei vergessenen Passwörtern oder fehlenden Wörtern kann eine gezielte Offline-Suche infrage kommen. Gelöschte Dateien erfordern eine gesonderte Datenrettung. Vergleichen Sie die wiederhergestellten Adressen mit denen der ursprünglichen Wallet, bevor Sie Guthaben in eine aktuelle Wallet übertragen.

MultiBit wurde 2017 eingestellt, ohne dass es einen Migrationsplan für die Nutzer gab. Die ursprüngliche Software läuft nicht mehr zuverlässig, offizielle Downloads gibt es nicht mehr, und mit ihnen sind auch die einfachen Wiederherstellungsmöglichkeiten, die es einmal gab, größtenteils verschwunden. Was bleibt, ist eine Wallet Datei irgendwo auf einer alten Festplatte, ein Passwort, an das Sie sich vielleicht nur noch teilweise erinnern, und Bitcoins, die seitdem unbewegt auf der Blockchain liegen.
Welcher Weg der richtige ist, hängt davon ab, was Ihnen noch vorliegt, und ein falscher erster Schritt kann die anderen Wege verbauen. Wenn Sie bereits eine .wallet-Datei gefunden haben und den praktischen Weg von der Datei bis zu den per Sweep übertragenen Geldern suchen, führt Sie der Leitfaden zu einer gefundenen alten MultiBit Datei Schritt für Schritt durch dieses Szenario. Die Hintergründe und die Frage, warum die Wallet verschwand, behandelt der Beitrag Was mit MultiBit passiert ist.
| Was Sie haben | Weg zur Wiederherstellung | Wo er beschrieben ist |
|---|---|---|
| Eine .wallet-Datei, Passwort bekannt oder nie gesetzt | Schlüssel extrahieren und per Sweep übertragen | Schritt 1 + Abschnitt zu Classic |
| Eine .wallet-Datei, Passwort vergessen | Erst das Passwort wiederherstellen, dann extrahieren | Abschnitt zum vergessenen Passwort |
| Eine HD-Wiederherstellungsphrase mit 12, 18 oder 24 Wörtern | Mit dem richtigen Ableitungspfad wiederherstellen | Abschnitt zu HD |
| Eine gelöschte Datei | Laufwerk nicht weiter nutzen und die Datei wiederherstellen | Abschnitt zu gelöschten Dateien |
| Gar nichts | Nicht wiederherstellbar, weder von uns noch von anderen | Abschnitt zu den Versionen: ohne Datei und ohne Wörter gibt es keinen Weg |
Welche Version von MultiBit haben Sie benutzt?
Bevor Sie irgendetwas anderes tun, finden Sie heraus, welche Version von MultiBit Sie verwendet haben: Die Vorgehensweise bei der Wiederherstellung unterscheidet sich zwischen den beiden grundlegend.
MultiBit Classic speicherte Ihre privaten Schlüssel direkt in einer .wallet-Datei. Wenn Sie ein Passwort gesetzt hatten, wurde diese Datei mit AES-256 verschlüsselt. Ohne das richtige Passwort ist die Datei komplett verschlossen. Für Classic-Wallets gibt es keine Wiederherstellungsphrase. Die Wiederherstellung hängt von der Wallet Datei oder einem anderen nutzbaren Backup ab, etwa den unten beschriebenen .key-Backups der privaten Schlüssel. Für eine verschlüsselte Datei oder ein verschlüsseltes Backup ist weiterhin das zugehörige Passwort erforderlich. Ist keine Kopie mehr vorhanden, stellt sich als Nächstes die Frage, ob sich eine vom Datenträger zurückholen lässt.
MultiBit HD war die spätere Version und funktionierte anders. Bei der Erstellung der Wallet erhielten Sie eine Wiederherstellungsphrase mit 12, 18 oder 24 Wörtern als Backup. Die Wallet Datei (.wallet.aes) war mit einem Passwort verschlüsselt, was Ihnen theoretisch zwei getrennte Zugangswege gab. In der Praxis hatte MultiBit HD jedoch Konstruktionsprobleme: Die Wallet Datei war vollständig mit dem Wallet Passwort verschlüsselt, der Ableitungspfad wich vom Standard ab, und Wallets, die vor der Korrektur in Beta 8 von 2015 erstellt wurden, hatten einen Fehler bei der Umwandlung der Wörter. Deshalb können Sie Ihre Wörter nicht einfach in Electrum eingeben und erwarten, Ihr Guthaben zu finden, selbst wenn jedes einzelne Wort korrekt ist.
Falls Sie nicht sicher sind, welche Version Sie benutzt haben: Eine .wallet-Datei ohne .aes bedeutet Classic. Eine .wallet.aes-Datei bedeutet HD. Wenn Sie sich erinnern, bei der ersten Einrichtung der Wallet eine Phrase aus 12, 18 oder 24 Wörtern gesehen zu haben, war das die HD-Version.
Schritt 1: Finden Sie Ihre Wallet Datei
Bevor Sie irgendeinen Wiederherstellungsversuch starten, suchen Sie Ihre Wallet Datei. Viele halten sie für verloren, obwohl sie auf einer alten Festplatte oder einem USB-Stick liegt, der seit Jahren nicht mehr angeschlossen war. Suchen Sie gründlich, bevor Sie Schlüsse ziehen.
MultiBit speicherte Wallet Dateien an folgenden Orten:
- Windows:
C:\Users\<Benutzername>\AppData\Roaming\MultiBit\ - macOS:
/Users/<Benutzername>/Library/Application Support/MultiBit/ - Linux:
/home/<Benutzername>/MultiBit/
Windows und macOS blenden diese Ordner standardmäßig aus. Aktivieren Sie die Anzeige versteckter Dateien, bevor Sie dorthin navigieren.
Wenn die Standardorte nichts ergeben, durchsuchen Sie Ihr gesamtes System nach Dateien mit der Endung .wallet oder .wallet.aes. Prüfen Sie außerdem die Cloud-Speicher, die Sie damals genutzt haben, alte E-Mail-Anhänge aus der Zeit, als Sie die Wallet eingerichtet haben, externe Festplatten und USB-Sticks. Die Datei ist klein und könnte überall dort liegen, wo Sie in jenen Jahren Dokumente gespeichert haben.
Sobald Sie sie gefunden haben: Erstellen Sie sofort eine Kopie. Arbeiten Sie ausschließlich mit dieser Kopie. Führen Sie niemals ein Wiederherstellungstool auf dem Original aus. Das ist die wichtigste Regel im gesamten Prozess: Ein einziger falscher Schritt an der Originaldatei kann Wiederherstellungsmöglichkeiten, die Sie noch haben, unwiderruflich zunichtemachen.
Die Backup Dateien von MultiBit: .key, mbhd.wallet.aes und die Backup Ordner
MultiBit hat im Hintergrund mehr Kopien angelegt, als den meisten Nutzern bewusst ist, und gerade diese automatischen Backups können der Grund sein, warum ein Fall noch lösbar ist, obwohl die Hauptdatei beschädigt ist oder das Passwort fehlt. Was vorhanden ist, hängt von der Version ab.
MultiBit Classic legte neben jeder .wallet-Datei einen Ordner <Walletname>-data an. Im Unterordner key-backup liegen die .key-Dateien: Jedes Mal, wenn Sie ein Passwort setzten oder änderten, eine neue Empfangsadresse erstellten oder private Schlüssel importierten, schrieb Classic einen Export aller privaten Schlüssel weg, mit dem Wallet Passwort verschlüsselt und mit einem Zeitstempel versehen, etwa Walletname-20140407200743.key. Derselbe Ordner enthält rolling-backup (die jeweils vorherige Version der Wallet Datei, bei jedem Speichern aufgehoben) sowie wallet-backup beziehungsweise wallet-unenc-backup (vollständige Kopien mit Zeitstempel). Konnte Classic die Hauptdatei nicht öffnen, griff es selbst auf das jüngste Backup zurück.
Die .key-Dateien sind aus zwei Gründen wichtig. Sie enthalten die privaten Schlüssel, mit denen sich die Coins bewegen lassen; ein .key-Backup ist also auch ohne die .wallet-Datei ein vollwertiger Ausgangspunkt. Und für die Passwortsuche sind sie das bessere Ziel: Die Dokumentation von BTCRecover empfiehlt, Kandidaten gegen eine .key-Datei statt gegen die vollständige .wallet-Datei zu testen, weil das deutlich schneller geht. Bewahren Sie jede .key-Datei auf, die Sie finden: Ein einzelner Export enthält nicht unbedingt die Schlüssel, die später erzeugt wurden.
MultiBit HD speicherte jede Wallet in einem eigenen Ordner, dessen Name aus mbhd- und einer langen Wallet-ID besteht, innerhalb des Anwendungsordners MultiBitHD:
- Windows:
C:\Users\<Benutzername>\AppData\Roaming\MultiBitHD\mbhd-[Wallet-ID]\mbhd.wallet.aes - macOS:
/Users/<Benutzername>/Library/Application Support/MultiBitHD/mbhd-[Wallet-ID]/mbhd.wallet.aes - Linux:
/home/<Benutzername>/.MultiBitHD/mbhd-[Wallet-ID]/mbhd.wallet.aes
Die Datei mbhd.wallet.aes ist die Wallet selbst, verschlüsselt mit dem Wallet Passwort; einen eigenen Dateityp „.mbhd“ gibt es nicht. Daneben liegen zwei Backup Ordner. rolling-backup enthält die jüngsten Kopien der Wallet Datei, mit Zeitstempel und mit demselben Passwort verschlüsselt (mbhd-[Zeitstempel].wallet.aes); die letzten vier wurden aufbewahrt, und MultiBit HD lud automatisch eine davon, wenn sich die Hauptdatei nicht öffnen ließ. zip-backup enthält verschlüsselte ZIP-Kopien des gesamten Wallet Ordners, die Dateien mit der Endung .zip.aes: bis zu sechzig Stück, wobei die ersten zwei und die letzten acht immer erhalten blieben. Diese ZIP-Backups sind nicht mit dem Passwort verschlüsselt, sondern mit einem aus den Wallet-Wörtern abgeleiteten Schlüssel, und sie enthalten das Passwort der Wallet in verschlüsselter Form. Deshalb konnte MultiBit HD ein vergessenes Passwort für jeden wiederherstellen, der die Wallet-Wörter noch hatte. War ein Cloud-Backup-Ordner eingerichtet, wurden dieselben ZIP-Dateien auch dorthin kopiert.
„Wallet words“ (Wallet-Wörter, in der deutschen Oberfläche „Brieftaschen-Wörter“) ist der eigene Name von MultiBit HD für seine Wiederherstellungsphrase: 12, 18 oder 24 Wörter, die zusammen mit einem Datumsstempel notiert wurden. Der Datumsstempel beschleunigt beim Wiederherstellen nur die Synchronisation; die Schlüssel werden allein aus den Wörtern abgeleitet.
Zwei Fehlerbilder werden leicht missverstanden. Das erste ist ein korrektes Passwort, das abgelehnt wird. Im Issue-Tracker des Projekts sind MultiBit-HD-Wallets dokumentiert, die sich mit einem nachweislich richtigen Passwort nicht mehr öffnen ließen; in einem Fall zeigte das Protokoll, dass die Datei erfolgreich entschlüsselt wurde und die Software anschließend die gespeicherten Transaktionsdaten nicht lesen konnte. Der Rat der Entwickler lautete, ein älteres Backup wiederherzustellen, und das funktionierte. Wird ein bisher funktionierendes Passwort plötzlich abgelehnt, verändern Sie mbhd.wallet.aes nicht und tippen Sie nicht immer neue Varianten ein: Bewahren Sie das Passwort, den kompletten Wallet Ordner und jedes ältere Backup auf, denn die Schlüssel darin sind in der Regel intakt. Das zweite Fehlerbild ist eine Wallet, die nicht mehr synchronisiert oder sich gar nicht mehr öffnen lässt. MultiBit war eine SPV-Wallet auf Basis von bitcoinj; die Blockchain-Daten lagen getrennt von der Wallet (multibit.spvstore, mbhd.spvchain), und die Software wird seit 2017 nicht mehr gepflegt. Hängenbleiben beim Synchronisieren, ein falsches oder unbestätigtes Guthaben oder ein Programm, das nicht mehr startet, sind also Software- und Netzwerkprobleme. Sie bedeuten nicht, dass die privaten Schlüssel in der Wallet Datei verschwunden sind, und wer alte MultiBit Versionen über den Datenordner installiert, riskiert, genau die Backups zu überschreiben, die geholfen hätten.
Eine MultiBit-Classic-Wallet mit Passwort wiederherstellen
Wenn Sie die .wallet-Datei haben und das Passwort kennen, ist die Wiederherstellung technisch möglich, erfordert aber Sorgfalt. Die ursprüngliche MultiBit Software lässt sich nicht mehr sicher verwenden. Inoffizielle Downloads, die man im Netz findet, können so verändert sein, dass sie Ihre Wallet Datei und Ihr Passwort abgreifen, sobald Sie beides eingeben. Verwenden Sie keine MultiBit Version, die Sie über eine Websuche gefunden haben.
Extrahieren Sie die privaten Schlüssel mit geprüften Werkzeugen aus einer Kopie der Datei, mit dem Passwort, falls die Datei verschlüsselt ist, und ohne MultiBit selbst zu starten. Führen Sie die Schlüsselextraktion offline durch. Die extrahierten Schlüssel lassen sich anschließend in einer modernen Wallet wie Electrum verwenden: Entweder übertragen Sie die Gelder per Sweep auf eine Wallet, die Sie kontrollieren („Wallet > Private keys > Sweep“, in der deutschen Oberfläche von Electrum „Geldbörse > Private Schlüssel > Entleeren“), oder Sie importieren die Schlüssel in eine neue Wallet, die Sie mit der Option „Import Bitcoin addresses or private keys“ („Bitcoin-Adressen oder private Schlüssel importieren“) anlegen. Der Leitfaden zur gefundenen MultiBit Datei erklärt Import und Sweep in Electrum, die Prüfung der betreffenden Adresse sowie die Kontrolle von Zieladresse und Gebühr vor dem Senden. Wenn Sie im Umgang mit privaten Schlüsseln unsicher sind, holen Sie zunächst fachkundige Hilfe ein: Ein einziger Fehler, etwa das Einfügen der Schlüssel in ein nicht vertrauenswürdiges Tool, kann Sie die Gelder kosten, selbst nach einer erfolgreichen Wiederherstellung.
Das vergessene Passwort einer MultiBit Wallet wiederherstellen
Ein vergessenes Passwort ist ein häufiger Punkt, an dem man nicht weiterkommt, und genau hier passieren die meisten vermeidbaren Fehler. Wahllos Kombinationen ohne Plan auszuprobieren ist langsam und verschwendet Zeit mit unwahrscheinlichen Kandidaten statt mit denen, auf die Ihre Erinnerung hinweist. Die verschlüsselte Datei selbst kennt keine Begrenzung der Versuche, es gibt also keinen Grund zur Eile: Planen Sie zuerst die Suche.
Schreiben Sie zunächst alles auf, woran Sie sich beim Passwort erinnern, bevor Sie irgendeine Software anfassen. Nicht nur Vermutungen, sondern die Elemente, die Sie damals typischerweise in Passwörtern verwendet haben: Länge, Gewohnheiten bei der Groß- und Kleinschreibung, Zahlen oder Jahreszahlen, die Sie eingebaut hätten, Symbole, die Sie gerne genutzt haben, Wörter, die Ihnen wichtig waren. Gehen Sie alte Notizbücher durch, jeden Passwort-Manager, den Sie damals benutzt haben, und alle anderen Orte, an denen Sie es aufgeschrieben haben könnten. Eine bruchstückhafte Erinnerung, selbst nur eine grobe Struktur oder ein paar Zeichen, ist weitaus nützlicher als eine Liste zufälliger Versuche.
Für technisch versierte Nutzer ist BTCRecover ein Open-Source-Tool, das Passwortkombinationen lokal auf Ihrem Rechner gegen eine MultiBit Wallet Datei testet. Es erfordert etwas Einrichtungsaufwand und Verständnis für die richtige Konfiguration, ist aber kostenlos, und Sie müssen Ihre Wallet Datei nirgendwohin schicken. Führen Sie es nur auf einem Rechner ohne Internetverbindung aus.
Wenn Sie diesen Prozess bereits durchlaufen haben, ohne das Passwort zu finden, liegt das meist an einem von zwei Dingen: an Elementen, die Sie bei Ihrer Suche nicht berücksichtigt haben, oder an einem Suchraum, der für handelsübliche Hardware in vertretbarer Zeit zu groß ist. Schnellere Hardware hilft weniger, als man erwarten würde. Verschlüsselte .wallet-Dateien von MultiBit Classic und Wallets von MultiBit HD leiten ihren Schlüssel mit scrypt ab, einer speicherintensiven Funktion, die Angriffen mit Spezialhardware standhalten soll. Eine GPU bringt hier deshalb weit weniger Geschwindigkeitsgewinn als bei einem .key-Backup von Classic. Eine gut aufgebaute Kandidatenliste zählt mehr als reine Geschwindigkeit, wie ein Fall mit einer seit 2013 gesperrten MultiBit-Classic-Wallet zeigt. Wenn die Kandidatenliste diese Art von Arbeit erfordert, wird professionelle Wiederherstellung zur praktischen Option statt zum letzten Ausweg.
Professionelle Hilfe heißt nicht, dass Sie Ihre Bitcoins aus der Hand geben. Crypto Recovers verwahrt niemals Kundengelder: Ist der Zugang zur Wallet wiederhergestellt, öffnen Sie sie selbst, übertragen die Coins per Sweep auf eine neue Wallet, die Sie selbst angelegt haben, und zahlen die vereinbarte Gebühr separat, gemäß den Bedingungen des Vertrags.
Eine MultiBit-HD-Wallet mit der Wiederherstellungsphrase wiederherstellen
Wenn Sie Ihre Phrase aus 12, 18 oder 24 Wörtern haben, ist das ein starker Ausgangspunkt, aber es gibt eine wichtige Komplikation. MultiBit HD verwendete einen vom Standard abweichenden Ableitungspfad; die meisten Wallets finden Ihr Guthaben deshalb nicht, selbst wenn jedes Wort korrekt ist. Geben Sie die Phrase mit den Standardeinstellungen in Electrum ein, zeigt es ein Guthaben von null an, und man schließt leicht daraus, die Phrase sei falsch, obwohl sie stimmt.
Laden Sie Electrum ausschließlich von electrum.org herunter. Legen Sie eine neue Wallet an und wählen Sie „Standard wallet“ und danach „I already have a seed“ (in der deutschen Oberfläche „Standard-Börse“ und „Ich habe bereits eine Seed“). Klicken Sie auf dem Bildschirm für die Phrase auf „Options“ („Optionen“), wählen Sie unter „Seed type“ („Seed-Typ“) die Option „BIP39 seed“ und geben Sie Ihre Wörter ein. Wählen Sie auf dem Bildschirm „Script type and Derivation path“ („Skripttyp und Ableitungspfad“) die Option legacy (p2pkh) und geben Sie m/0' als Ableitungspfad ein. Electrum ergänzt den Empfangszweig /0 und den Wechselgeldzweig /1 selbst, sodass die Adressen unter m/0'/0 und m/0'/1 liegen; geben Sie keinen dieser Zweige als Kontopfad ein. Ältere Anleitungen, die zur Eingabe von m/0'/0 raten, schicken Electrum eine Ebene zu tief, und auch so zeigt eine korrekte Phrase am Ende nichts an. Vergleichen Sie eine Adresse mit einer Adresse, die nachweislich zur ursprünglichen Wallet gehört. Bei MultiBit-HD-Wallets, die vor der Korrektur in Beta 8 von 2015 erstellt wurden, kann zusätzlich ein Problem bei der Umwandlung der Wörter vorliegen, das auch mit dem richtigen Pfad eine gesonderte Kompatibilitätsprüfung erfordert.
Bevor Sie davon ausgehen, dass mit der Phrase selbst etwas nicht stimmt, überprüfen Sie jedes Wort sorgfältig auf Tippfehler. Ein einziges falsches Zeichen macht die gesamte Phrase ungültig. Probieren Sie auch die plausibelsten Wortreihenfolgen aus, falls Sie sich bei der Abfolge nicht ganz sicher sind. Schließen Sie das aus, bevor Sie nach anderen Erklärungen suchen.
Was tun, wenn Ihre Wiederherstellungsphrase unvollständig ist oder Fehler enthält
Ist Ihre Phrase größtenteils intakt und fehlen ein oder zwei Wörter, ist eine Wiederherstellung oft trotzdem möglich. Die BIP-39-Wortliste umfasst genau 2.048 Wörter, und gültige Phrasen müssen außerdem eine Prüfsumme bestehen. Das bedeutet: Die Zahl plausibler Kombinationen ist weit kleiner, als es scheint. Ein fehlendes Wort in einer Phrase aus 12 Wörtern ergibt 2.048 Möglichkeiten, die ein Computer in Sekunden durchtesten kann.
Zwei fehlende Wörter ergeben rund vier Millionen Kombinationen, was immer noch gut machbar ist. Bei drei oder vier fehlenden Wörtern wächst der Suchraum deutlich, aber je nachdem, welche weiteren Einschränkungen bekannt sind (Wortfragmente, wahrscheinliche Positionen), lohnt sich ein Versuch oft trotzdem. Crypto Recovers arbeitet mit Phrasen, in denen bis zu vier Wörter fehlen.
Wenn ein Wort nur leicht falsch statt ganz verloren ist, bietet die BIP-39-Liste eine begrenzte Zahl naheliegender Kandidaten zum Testen. Was manuell Wochen dauern würde, lässt sich systematisch in Stunden abarbeiten. Wichtig ist dabei: Geben Sie Ihre Phrase niemals in ein Online-Tool oder auf einer Website ein. Das ist eine der wirksamsten Methoden, mit denen Angreifer Guthaben stehlen, und solche Seiten sind darauf angelegt, seriös auszusehen.
Eine gültige Prüfsumme identifiziert Ihre Wallet nicht: Vergleichen Sie mögliche Phrasen mit einer Adresse, die bekanntermaßen zu dieser Wallet gehört. Die BIP-39-Wortliste erläutert Wortliste und Prüfsumme. Steht ein Wort nicht auf dieser Liste, prüfen Sie die Schreibweise und ob das Backup zu einem anderen Wallet-Format gehört.
Eine gelöschte MultiBit Wallet Datei wiederherstellen
Wenn Sie Ihre Wallet Datei gelöscht und das Laufwerk seitdem nicht intensiv genutzt haben, besteht eine reelle Chance, dass die Daten noch vorhanden sind. Das Löschen einer Datei markiert den Speicherplatz lediglich als frei; der Inhalt wird nicht sofort entfernt. Hören Sie jetzt auf, das Laufwerk zu benutzen, bevor Sie irgendetwas anderes tun.
Klonen Sie zuerst das Laufwerk mit einem Tool wie ddrescue (Linux) oder Macrium Reflect (Windows), um eine Byte-für-Byte-Kopie zu erstellen. Durchsuchen Sie diese Kopie dann mit einem Tool, das gelöschte Dateien über die Einträge des Dateisystems nach Namen findet, etwa Recuva unter Windows, gezielt nach .wallet- und .wallet.aes-Dateien. Ein File-Carving-Tool wie PhotoRec erkennt sie nicht: Sein Dateityp .wallet steht für die Bitcoin Wallet von Armory, nicht für MultiBit, und eine .wallet.aes-Datei ist durchgehend verschlüsselt. Findet das Tool die Datei intakt, speichern Sie sie auf einem anderen Laufwerk und fahren Sie mit den oben beschriebenen Wiederherstellungsschritten fort.
Wird die Datei als überschrieben angezeigt, kann eine forensische Wiederherstellung manchmal noch teilweise überschriebene Daten retten, die Ergebnisse sind aber unvorhersehbar. Bei Wallets mit nennenswerten Beträgen kann sich der Versuch lohnen, doch die realistischen Chancen sinken deutlich, sobald der Speicherplatz wiederverwendet wurde.
Bewahren Sie das Datenträgerabbild auf, damit Sie Scans wiederholen können, ohne das ursprüngliche Laufwerk erneut auszulesen. Bewahren Sie bei ddrescue auch die Mapfile auf: Sie hält fest, welche Bereiche kopiert wurden und welche unlesbar geblieben sind. Speichern Sie wiederhergestellte Dateien auf einem separaten Laufwerk. Ist eine Datei wiederhergestellt, behandelt der Leitfaden zur gefundenen MultiBit Datei Schlüsselextraktion, Sweep und die Prüfung einer Datei, die sich nicht öffnen lässt.
Was schiefgehen kann
Das größte Risiko bei der Wiederherstellung einer MultiBit Wallet ist ein vermeidbarer Fehler, der Möglichkeiten zerstört, die Sie noch haben. Die Coins selbst laufen nicht weg. Software aus nicht verifizierten Quellen herunterzuladen ist der gefährlichste Schritt. Eine manipulierte Kopie von MultiBit kann genauso aussehen wie das Original und im Hintergrund Ihre Wallet Datei und Ihr Passwort an einen fremden Server senden.
Geben Sie Ihre Wiederherstellungsphrase niemals auf einer Website oder in einem Online-Tool ein. Das ist einer der zuverlässigsten Wege, den Zugriff auf Ihr Guthaben dauerhaft zu verlieren. Jede Rekonstruktion einer ungültigen Wiederherstellungsphrase sollte lokal erfolgen, auf einem Rechner ohne Internetverbindung und mit verifizierten Tools.
Eine große Zahl an Passwortversuchen ohne Strategie durchzuprobieren, verschwendet Zeit mit unwahrscheinlichen Kandidaten. Erstellen Sie eine strukturierte Kandidatenliste, bevor Sie überhaupt anfangen.
Häufig gestellte Fragen zur MultiBit Wallet Wiederherstellung
Kann ich meine MultiBit Wallet ohne Passwort wiederherstellen?
Das hängt davon ab, welche Version Sie verwendet haben und was Ihnen sonst noch zur Verfügung steht. Bei MultiBit HD kann eine korrekte und vollständige Wiederherstellungsphrase einen alternativen Weg zu Ihrem Guthaben bieten, auch wenn der vom Standard abweichende Ableitungspfad von MultiBit das erschwert. Bei MultiBit Classic ist letztlich das exakte Passwort nötig, um die Wallet Datei zu entschlüsseln. Im Mittelpunkt der Wiederherstellung bleibt die verschlüsselte Datei; Details, an die Sie sich erinnern, können eine systematische Kandidatensuche gezielter machen, und der Fall muss als Ganzes beurteilt werden. Ohne jeden Anhaltspunkt zum Passwort wird die Wiederherstellung sehr schwierig.
Ist es sicher, die ursprüngliche MultiBit Software zu verwenden?
Nicht so, dass Sie sich darauf verlassen könnten. Die Software wurde seit 2017 nicht mehr aktualisiert, ist mit aktuellen Änderungen am Bitcoin-Protokoll nicht kompatibel, und inoffizielle Downloads können manipuliert sein. Falls Sie sie für einen Teil des Prozesses trotzdem brauchen, tun Sie das nur auf einem Rechner, der vollständig offline ist und den Sie anschließend zu löschen bereit sind.
Gibt es für MultiBit Classic eine Wiederherstellungsphrase?
Nein. Classic hat nie eine ausgegeben, sondern Ihre privaten Schlüssel direkt in der .wallet-Datei gespeichert, mit AES-256 verschlüsselt, falls Sie ein Passwort gesetzt hatten. Für die Wiederherstellung brauchen Sie die Wallet Datei oder ein nutzbares Backup, etwa einen .key-Export, und das zugehörige Passwort, falls dieses Material verschlüsselt ist. Ist keine Kopie mehr vorhanden, kann es sich lohnen, die Wiederherstellung gelöschter Dateien prüfen zu lassen. Wenn Sie für eine Classic-Wallet nach 12, 18 oder 24 Wörtern suchen: Diese wurden nie erzeugt, und niemand kann sie nachträglich herstellen. Zur Unterscheidung: Eine einfache .wallet-Datei ist Classic, eine .wallet.aes-Datei ist MultiBit HD, und nur HD hat Ihnen bei der Einrichtung eine Wortliste angezeigt.
Warum zeigt Electrum bei meiner MultiBit-HD-Phrase ein Guthaben von null?
Meist liegt es am Ableitungspfad, nicht an den Wörtern. MultiBit HD nutzte einen vom Standard abweichenden Pfad, deshalb liefert eine korrekte Phrase mit den Standardeinstellungen von Electrum nichts. Wählen Sie in Electrum die BIP-39-Option, legacy (p2pkh) und den Kontopfad m/0', wie im HD-Abschnitt oben beschrieben. Die Zweige für Empfangs- und Wechselgeldadressen ergänzt Electrum selbst. Schließen Sie außerdem zwei andere Ursachen aus: Ein einziges falsch getipptes Wort macht die gesamte Phrase ungültig, und Wallets, die vor der Korrektur in Beta 8 von 2015 erstellt wurden, haben einen Fehler bei der Umwandlung der Wörter, durch den selbst auf dem richtigen Pfad ein Guthaben von null erscheinen kann. Geben Sie die Phrase niemals auf einer Website ein, um sie zu prüfen.
Lässt sich eine gelöschte MultiBit Wallet Datei noch wiederherstellen?
Manchmal, und es hängt vor allem davon ab, was seitdem mit dem Laufwerk passiert ist. Beim Löschen wird der Speicherplatz nur als frei markiert, der Inhalt aber nicht entfernt. Hören Sie also vor allem anderen auf, dieses Laufwerk zu benutzen, klonen Sie es und scannen Sie den Klon; der Abschnitt zu gelöschten Dateien oben nennt die Tools. Ist der Speicherplatz bereits wiederverwendet worden, sinken die realistischen Chancen deutlich, und teilweise überschriebene Daten liefern unvorhersehbare Ergebnisse.
Kann Crypto Recovers in meiner konkreten Situation mit MultiBit helfen?
Das hängt davon ab, was erhalten ist: die Wallet Datei oder ihre automatischen Backups, Bruchstücke des Passworts oder die Wallet-Wörter. Crypto Recovers hilft Nutzern von MultiBit seit 2019. Die Ersteinschätzung ist kostenlos und unverbindlich und gibt Ihnen ein klares Bild davon, was möglich ist. Sie beginnt mit einer Beschreibung Ihrer Situation, niemals mit Ihrem Passwort, Ihren Wallet-Wörtern, privaten Schlüsseln oder Ihrer Wallet Datei.
Wie lange dauert eine MultiBit Wiederherstellung?
Einfache Fälle können in wenigen Tagen erledigt sein. Komplexere Fälle, etwa mit wenigen Hinweisen zum Passwort, fehlenden Wörtern der Wiederherstellungsphrase oder beschädigten Laufwerken, können mehrere Wochen oder länger dauern, und manche lassen sich gar nicht lösen. Crypto Recovers gibt Ihnen nach der Ersteinschätzung eine realistische Zeitschätzung und hält Sie während des gesamten Ablaufs auf dem Laufenden.
Muss ich zahlen, wenn die Wiederherstellung nicht gelingt?
Nein. Crypto Recovers arbeitet nach dem Grundsatz „keine Wiederherstellung, keine Gebühr“: Die Gebühr wird vor Arbeitsbeginn schriftlich vereinbart und ist erst fällig, wenn der Zugang tatsächlich wiederhergestellt ist. Kann der Zugang nicht wiederhergestellt werden, ist keine Erfolgsgebühr fällig. Die Preisseite erläutert die Bedingungen und auch, wie besondere Vereinbarungen vorab getroffen werden.
